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Interview Johanna Dehning - Eco HomeStay Himalaya

Interview Johanna Dehning - Eco HomeStay Himalaya

Kannst Du Dich kurz vorstellen?

Ich bin Johanna, 33 Jahre alt, geboren in Rheinland-Pfalz, Deutschland. Mein Leben war immer geprägt von langfristigen Auslandsaufenthalten. Die beständigste Zeit war wohl in Hamburg, wo ich mehrere Jahre als Projektmanagerin im Veranstaltungsmanagement, mit dem Schwerpunkt auf politischen Konferenzen, gearbeitet habe. Letztendlich bin ich aber in den indischen Himalayas gelandet. Hier manage ich nun, gemeinsam mit meinem Partner, unseren Eco HomeStay in einem versteckten Tal namens Urgam Valley auf 2.300 Höhenmetern.

 

Wie kamst Du in den Himalaya und zu dem eigenen HomeStay?
Während der COVID-Pandemie verließ ich meinen Job in Hamburg, um als Projektmanagerin eine NGO in Griechenland zu leiten. Nach einem Jahr war mir klar: Weder möchte ich zurück in einen klassischen Bürojob noch bleiben in der extrem fordernden Welt der humanitären Hilfe. Was nun? Also reiste ich zum dritten Mal nach Indien – einfach, um ein wenig aufzutanken.
Dort besuchte ich meinen guten Freund Sach (meinen jetzigen Partner). Er hatte sich in Urgam Valley, einem abgelegenen Tal inmitten der Natur der indischen Himalayas, niedergelassen. Ich war so fasziniert von der Kultur, den Menschen und der Einfachheit des Lebens, dass sich mein geplanter zweiwöchiger Aufenthalt in zwei Monate verwandelte.
In dieser Zeit stießen wir auf ein verlassenes, traditionelles Himalaya-Lehmhaus mit atemberaubendem Blick auf die Himalayas. Unsere Vision: Das Haus in einen HomeStay zu verwandeln, in dem die Gäste eben dieses einfache Leben im Einklang mit der Natur erleben können. Mit Hilfe der lokalen Dorfbewohner renovierten wir das Haus auf traditionelle Weise und eröffneten sechs Monate später den YogMatra Eco HomeStay.

 

Kannst du uns etwas mehr zum YogMatra Eco HomeStay sagen?
Unsere Besucher tauchen in eine andere Welt ein. Sie leben unseren Tagesablauf und erfahren so das einfache, aber erstaunlicherweise äußerst erfüllende Leben der Dorfbewohner der Himalayas. Es ist ein extremer Kontrast zu unserer übersättigten Konsumgesellschaft, in der immer alles verfügbar ist.

Milch holen wir täglich frisch von einem Nachbarn, dessen Kuh gerade gekalbt hat. Feuerholz für die kälteren Nächte hacken wir von gefallenen Bäumen (den lebenden Bäume stehen hier unter Schutz). Wir beziehen organisch angebaute Lebensmittel aus unserem Garten oder den umliegenden Dörfern – soweit es möglich ist. Gekocht wird immer frisch (wir haben keinen Kühlschrank). Hin und wieder gibt es Stromausfall, das heißt dann kein Licht, kein WiFi und auch kein warmes Wasser. Sobald man die Zimmertür öffnet, ist man draußen – mitten in der Natur. Egal welches Wetter herrscht – bei Wind und Regen - man muss unsere Terrasse überqueren, um zum Badezimmer zu gelangen, auch in der Nacht.

Ich denke, wir geben den Menschen einen Einblick in einen Lebensstil, der in unserer entwickelten Welt fast ausgestorben ist – aber nach dem sich viele innerlich sehnen. Die Natur ist nicht etwas, das man irgendwo besucht und dann hinter sich lässt, sobald man zurück in den Alltag kehrt. Wir sind Natur! Und genau das spüren die Menschen, wenn Sie längere Zeit bei uns sind. Daran möchten wir die Menschen erinnern.

 Was sind deine Herausforderungen?

Ufff – die Liste ist lang! Grundsätzlich ist die extreme Abgeschiedenheit die größte Herausforderung. Sie macht diesen Ort zwar besonders, erschwert aber wirklich alles!Beispiel: Lebensmittel oder Gegenstände, die nicht aus der Nachbarschaft bezogen werden können, müssen wir aus der nächsten Stadt mit dem Motorrad besorgen. Das bedeutet: 1,5 Stunden Hinfahrt über holprige und kurvige Bergpfade, 1 Stunde einkaufen, 1,5 Stunden Rückfahrt – und dann noch 40 Minuten, um alles auf dem eigenen Rücken den Berg hinauf schleppen, da unser EcoHomeStay gut 1 km oberhalb der Hauptstraße liegt. So ein Tag ist kräftezehrend, aber notwendig. Auch IKEA oder eine Poststation gibt es hier nicht. Alles muss selbst gebaut werden – wie z.B. Betten und Tische.
Auch die lokale Sprache stellt eine Herausforderung dar. Ich spreche grundlegendes Hindi, aber die Menschen hier sprechen Garhwali, einen regionalen Dialekt. Oft frustriert es mich, dass ich Gespräche nicht vollständig verstehe. Das erschwert auch den Aufbau tieferer Beziehungen, sowie die Kommunikation mit Angestellten oder Besuchern, die nicht immer Englisch sprechen. Andererseits hat mich dies zu einer Meisterin der nonverbalen Kommunikation gemacht. Ich drücke mich lebhaft mit Händen und Füßen aus – Pantomime pur! Das sorgt oft für Lacher und schafft am Ende doch eine Verbindung.
Dann gibt es noch die üblichen Zweifel, finanzielle Unsicherheit, mehrere Tage extreme Kälte oder starken Monsunregen. Kein deutsches Brot und kein Gouda-Käse, das ist ganz besonders tragisch 😉! Einsamkeit, weil man monatelang keine Freunde sieht. Dann kann man schon mal sein ganzes Leben infrage stellen. Aber meistens verfliegen solche Gedanken spätestens beim nächsten magischen Sonnenaufgang oder Vollmond.

Wie verdienst Du Dein Geld?

Ich unterrichte Yoga und leite Trekkingtouren. Das Einkommen reicht aus, um das Leben in Indien zu finanzieren. Für größere Ausgaben, wie Flüge nach Deutschland, greife ich auf meine Ersparnisse zurück. Ich habe mir bisher noch kein nachhaltiges Einkommen aufgebaut – so wie ich es gerne hätte. Das ist manchmal beängstigend, aber ich bin erst vor einem Jahr aus der Unternehmenswelt ausgestiegen. Ich gebe mir also noch etwas Zeit. Und falls alles schief geht – ein Corporate-Job lässt sich im Notfall immer finden. 😉

Was macht Dich glücklich?
Besuch von Freunden, Zeit in der Natur, Cappuccino, Kuscheln, gesund zu sein, Fotografie, Gespräche über das Leben am Lagerfeuer, gutes Essen, meine Hunde – so vieles. Die ganzen kleinen Dinge sind die wirklich großen Dinge.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Johanna Dehning aus?

Mein Tag beginnt gegen 6:30 Uhr mit der Versorgung unserer Hündin inkl. sechs Welpen, die ordentlich Aufmerksamkeit fordern. Währenddessen bereitet Mohit, unser Koch, einen ayurvedischen Tee zu, mit dem wir immer am Tag starten. Danach heißt es: Yoga! Mit den Gästen oder für mich allein, wenn keine da sind. Gegen 09:00 Uhr gibt es Frühstück, danach brechen wir zu einer Wanderung mit den Gästen auf und kehren pünktlich zum Mittagessen zurück.

Der Nachmittag ist vielseitig: Social-Media-Management, Verwalten von Buchungen, Gartenarbeit, viel Putzen und Aufräumen, Fotoprojekte bearbeiten oder einfach faul in der Sonne liegen – mit einer Tasse frisch gebrühten Chai. Die Abende sind aktiv und gesellig: Wir kochen zusammen, backen frisches Chapati-Brot und versammeln uns ums Lagerfeuer. Manchmal bestaunen wir den Sternenhimmel oder den atemberaubenden Vollmond. Dank der vielen Bewegung und der frischen Luft sind spätestens gegen 22 Uhr alle k.o. und reif fürs Bett. Wer in der Natur lebt, wacht irgendwann automatisch mit der Sonne auf und wird müde, sobald es dunkel wird.

Was fällt Dir zu folgenden Stichwörtern ein?

  • Social Media:
    Kann einem unglaublich viel Zeit rauben, aber auch ein wertvolles Werkzeug sein – zum Inspirieren oder um sich kreativ auszudrücken. Man sollte für sich klar definieren, inwiefern Social Media wirklich sinnvoll ist. Und falls man darauf keine konkrete Antwort findet – die App am besten löschen.

  • Vorbilder:
    Steve McCurry, Jody MacDonald, Pie Aerts, Florence Given – und meine Schwester.

  • Flow:
    Man arbeitet hart, kann aber gleichzeitig abschalten, weil man das tut, was man liebt. That’s Flow!

  • Abenteuer: Das ganze Leben ist ein extremes Abenteuer. Wir haben keine Antworten auf die großen Fragen: Woher kommen wir? Wieso sind wir hier? Was passiert nach dem Tod? Nobody knows!

Danke Johanna

 Instagram Johanna: https://www.instagram.com/itsjohannadehning/

EcoHomestay Website: https://www.yogmatra.com/urgam-valley-eco-homestay/

Find us on Google & Maps: https://g.co/kgs/JYgEaD

EcoHomestay Instagram: https://www.instagram.com/urgamvalley/

 


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